Lehre & Musik: Die praxisnahe und zukunftsorientierte berufliche Grundbildung.
Wer seine Leidenschaft für Musik zum Beruf machen möchte, hört oft: «Lerne zuerst einen richtigen Beruf.» Aufgrund der langjährigen Erfahrung in der musikalischen Förderung — und inspiriert von den vielen Angeboten im Leistungssport — hat die Akademie für aktuelle Musik Schweiz 2024 das Projekt Lehre & Musik lanciert. Das Ziel ist eine praxisorientierte berufliche Grundbildung, die den realen Anforderungen der Branche entspricht und eine Lücke im dualen Bildungssystem schliesst. Für die Umsetzung des Projekts haben die drei Organisationen Akademie für aktuelle Musik Schweiz, Helvetiarockt und Petzi den neuen Dachverband WEMUSIC gegründet. Der Pilot Lehre & Musik startet 2027 in der Region Espace Mittelland.
LEHRE & MUSIK
Beruf und Musik im Einklang
Musik spielt eine zentrale Rolle in der Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Indem sie musizieren, üben sie das Sprechen, lernen, sich rhythmisch zu bewegen und trainieren das Gedächtnis. Gleichzeitig drücken sie mit Musik Gefühle aus und bauen Spannungen ab.
Die Leidenschaft zum Beruf machen
Laut Verband Musikschulen Schweiz lernen in unserem Land rund 180’000 Primar- und Sekundarschüler*innen ein Instrument. Unterrichtet werden sie von etwa 15’000 Lehrpersonen an über 420 Musikschulen. Wenn Jugendliche ihre Leidenschaft für die Musik zum Beruf machen möchten, hören sie oft von ihrem Umfeld: «Lerne zuerst einen richtigen Beruf!» In der Folge hören viele mit dem Musikmachen auf. Die jahrelange Investition in die musikalische Ausbildung geht buchstäblich flöten.
Das Berufsbild der Musik- und Kulturschaffenden hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Neben den künstlerischen nehmen die digitalen und unternehmerischen Kompetenzen sowie die Fähigkeiten, sich in einem volatilen Umfeld und in interdisziplinären Teams behaupten zu können, an Bedeutung zu. In der Schweiz führt nur der akademische Bildungsweg zu einem eidgenössisch anerkannten Diplom im Bereich der Musik (Bachelor, Master, Doktorat). Diesen Weg können oder wollen viele talentierte junge Musiker*innen nicht gehen.
Basierend auf dieser Ausgangslage und der langjährigen Erfahrung in der Nachwuchs- und Talentförderung hat die Akademie für aktuelle Musik Schweiz 2024 das Projekt «Lehre & Musik» initiiert. Ziel des Projekts ist es, eine praxisorientierte berufliche Grundbildung zu schaffen, die den realen Anforderungen der Branche entspricht.
Der duale Weg
Das duale Bildungssystem der Schweiz kombiniert schulische Bildung mit praktischer Ausbildung im Betrieb. Lernende absolvieren eine Berufslehre in einem Unternehmen, besuchen parallel eine Berufsschule, wo sie theoretisches Wissen erwerben und nehmen in regelmässigen Abständen an überbetrieblichen Kursen teil, in denen ihnen branchenspezifische Inhalte vermittelt werden. Dieses System ermöglicht eine enge Verbindung zwischen Theorie und Praxis und fördert den direkten Einstieg ins Berufsleben. Anders als beim Bildungsweg via Hochschule, müssen die Berufsbilder im dualen Bildungssystem einem Bedürfnis der Wirtschaft entsprechen. Es muss klar sein, wer die Berufsbildenden sind und dass die ausgebildeten Fachkräfte gute Chancen auf eine Anstellung haben. Ein Ausbilden am Arbeitsmarkt vorbei ist zu vermeiden.
Lehre & Musik: So funktioniert der Pilot
Musiker*innen mit besonderem Talent absolvieren eine Lehre als Kauffrau/Kaufmann EFZ. Die Ausbildung dauert vier statt drei Jahre. Dank der Lehrzeitverlängerung stehen den Lernenden durchschnittlich 25 Prozent der Arbeitszeit für die musikalische Ausbildung (Proben, Konzerte, Residenzen, Lager) zur Verfügung. Sie bewegen sich in den vier Lernorten: Lehrbetrieb, Berufsfachschule, überbetriebliche Kurse und Musik.
Die Berufsfachschule
Mit dem BWD Bern (Bildungszentrum für Wirtschaft und Dienstleistung) hat WEMUSIC einen erfahrenen Partner an der Seite, der das Projekt Lehre & Musik sowohl ideell als auch fachlich und finanziell unterstützt. Seit 2005 bietet das BWD Bern sehr erfolgreich das Modell Lehre & Sport | Musik an. Die beiden Organisationen sehen in einer engen Zusammenarbeit grosses Potenzial. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, junge Menschen, die in ihren jeweiligen Disziplin nach Exzellenz streben, zu fördern.
EFZ & Diplom Musik
Nach Abschluss der Lehrzeit und bestandener Prüfung erhalten die Lernenden ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis EFZ als Kauffrau/Kaufmann und ein vom Branchenverband WEMUSIC anerkanntes Diplom in der Musik. Die Berufsmaturität kann nach der beruflichen Grundbildung erlangt werden. Danach stehen auch für Menschen, die sich für den dualen Bildungsweg entschieden haben, die Türen zu den Angeboten auf Tertiärstufe offen (z.B. Fachhochschulen oder Hochschulen).
Teilnahmebedingungen
Um das Modell Lehre EFZ & Musik absolvieren zu können, müssen die Lernenden einen passenden Lehrbetrieb finden (Liste musikfreundlicher Lehrbetriebe in Arbeit) und eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Eine Fachjury aus der Trägerschaft des Branchenverbands WEMUSIC vergibt sowohl die Talentkarte (ähnlich wie die Talentkarte von Swiss Olympic im Leistungssport) als auch das Diplom am Ende der Lehrzeit. Obwohl sich die Ausbildung auf die aktuellen Musik-Genres fokussiert (Pop, Rock, Punk, RnB, Rap, Soul, Metal etc.), können sich auch Musiker*innen aus den Bereich Klassik und Jazz auf eine Lehrstelle bewerben.
Lehrbetriebsverbund
Ein Lehrbetriebsverbund ist eine Kooperation mehrerer Unternehmen, die gemeinsam die Ausbildung von Lernenden in einem bestimmten Beruf unterstützen. Diese Unternehmen arbeiten zusammen, um den Lernenden eine breite Palette von Ausbildungsinhalten und -erfahrungen anzubieten. Dank des Lehrbetriebsverbunds können auch kleinere Organisationen, die alleine keine umfassende Ausbildung anbieten könnten, Lernende ausbilden. Die Lernenden wiederum können in verschiedenen Organisationen des Verbunds arbeiten und erhalten dadurch ein vielseitiges und praxisnahes Ausbildungsumfeld. Der Lehrbetriebsverbund trägt dazu bei, die Qualität und Vielfalt der Ausbildung zu erhöhen sowie die finanziellen und personellen Ressourcen effizient zu nutzen, was gerade kleinere Kulturorganisationen entlastet.
Das Modell Lehre & Musik sieht vor, dass die Lernenden die ersten ein bis zwei Jahre in grösseren Organisationen verbringen, um sich dort das Basiswissen des kaufmännischen Berufs anzueignen. Während des dritten und vierten Lehrjahrs verbringen sie vier- bis zwölfmonatige Praxiseinsätze in musik- und kulturnahen Betrieben wie Clubs, Festivals, Theater, Museen, Radios, Booking-Agenturen, Labels oder bei Kultur- und Musik-Förderorganisationen. Ziel ist es, dass die Lernenden maximal viele Einblicke in die verschiedenen Bereiche der Musik- und Kulturbranche erhalten, von denen sie auf ihrem weiteren musikalischen und beruflichen Weg profitieren.
Nach dem Pilot
Gemäss gesetzlicher Grundlagen kann jede Berufslehre verlängert werden, wenn der Lehrbetrieb und die Berufsschule die nötigen Rahmenbedingungen dafür schaffen. Nach der Pilotphase im kaufmännischen Bereich und im Kanton Bern soll das Modell Lehre & Musik auch in anderen Berufen und Regionen angeboten werden.
Einladung
Wir laden am Berufsbildungsprojekt Lehre & Musik interessierte Organisationen und Personen herzlich zu unseren Informationsveranstaltungen ein.
Freitag, 20. März 2026 um 12.00 Uhr am m4music Festival in Zürich
Mittwoch, 22. April 2026 um 14.00 Uhr am BWD in Bern
TRÄGERSCHAFT LEHRE & MUSIK
Um im schweizerischen dualen Bildungssystem ein neues Berufsbild entwickeln zu können, ist eine Trägerschaft nötig. Gemeinsam mit Helvetiarockt und Petzi hat die Akademie für aktuelle Musik Schweiz 2025 den neuen Dachverband WEMUSIC gegründet. Dieser übernimmt die Rolle der Projektleitung und verantwortet die Geschäftsstelle der Trägerschaft und des Lehrbetriebverbunds.
Die Mitglieder des Verbands unterstützen das Berufsbildungsprojekt Lehre & Musik ideell, finanziell und fachlich. In einem Verbund von mehreren Lehrbetrieben können sie künftig selbst Lernende ausbilden.
Partner*innen
Wir danken allen Partner*innen, die das Berufsbildungsprojekt Lehre & Musik sowohl ideell als auch finanziell und mit ihrem Fachwissen unterstützen. Sie teilen mit uns die Meinung, dass dieses Projekt sowohl die Chancengleichheit als auch unser duales Bildungssystems stärkt. Was im Leistungssport seit vielen Jahren praktiziert wird, soll nun auch in der Musik möglich sein.
